Aachener Zeitung, 13. Oktober 2004


Romeos und Julias neue Tragik . . .

Die Satire des Spürbar-Theaters beginnt da, wo Shakespeares Drama endet

AACHEN. Zuerst die gute Nachricht: Romeo und Julia sind nicht gestorben! Nun die schlechte: Sie sind verheiratet und haben eine Tochter im Teenageralter. Regisseurin Nicole Erbe hat hier den »Was-wäre-wenn«-Gedanken aufgegriffen und ihn in der Inszenierung »Es war die Lerche» ironischunterhaltsam mit dem SpürbarTheater auf die Bühne gebracht.

Was wäre, wenn Romeo und Julia nicht Gift, sondern ein Mittel geschluckt hätten, das sie 60 Jahre hat schlafen lassen? Aufgewacht, nach wie vor jung geblieben, fristet Romeo ein Dasein als mittelloser Musiklehrer, während die frustrierte Hausfrau Julia der gemeinsamen romantischen Vergangenheit nachtrauert. Von der exzentrischen Tochter Lucretia ganz zu schweigen. Diese stampft auf die Bühne, um die Geschichte ihrer Eltern auf absonderliche Weise zu erzählen. Dabei knüpft sie an, wo Shakespeare zu schreiben aufgehört hatte. »Manchmal frage ich mich, von wem unsere Tochter den Hang zur Dramatik hat«, wundert sich Vater Romeo händeringend.

Auf der Bühne wurden die Charaktere des berühmten Dramas aus der Feder ihres Autors befreit. Romeo Montague (Herbert Kordes) darf endlich Socken um den Hals tragen und seiner wahren Liebe, der Wärmflasche Lisa, frönen.

Julia (Nina Spinger) wiederum sucht im Pater Lorenzo (Michael Wülker), dem Helfer des tragischen Liebespaares von einst, einen Ehe-Therapeuten. Dumm nur, dass dieser unter Amnesie leidet und bisweilen vergisst, ob er gerade in »Hamlet« oder »Othello« mitspielt und Julia manchmal mit »Ophelia« oder »Desdemona« anspricht. »Ja, ja ich bin auch nicht mehr so fit wie ich es mit 80 Jahren war«, jammert er. Nicht weniger exzentrisch ist Julias Amme (Renate Rinkens). Genüsslich plaudert sie die Geheimnisse ihrer ehemaligen Schutzbefohlenen aus.
Die weiteren Aufführungen von „Es war die Lerche": Freitag, 15. Oktober, Samstag, 16. Oktober und Sonntag, 17. Oktober, jeweils um 20 Uhr in der Barockfabrik am Löhergraben.

Diese und weitere unterhaltsame Charaktere sorgten beim Publikum für Gelächter. Sie vermochten es, auf einer kleinen, mit Kartons zugestellten Bühne ein amüsantes Spektakel zu organisieren.

Die Regisseurin bediente sich hierbei der Literaten Ephraim Kishon, Pierre- Henri Cami und natürlich William Shakespeare. Jeder, der dachte, »Romeo und Julia« könnte dramatischer nicht werden, irrt und kann sich in »Es war die Lerche« vom Gegenteil überzeugen. (ang)

Die weiteren Aufführungen

Die weiteren Aufführungen von »Es war die Lerche«: Freitag, 15. Oktober, Samstag, 16. Oktober und Sonntag, 17. Oktober, jeweils um 20 Uhr in der Barockfabrik am Löhergraben.